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PRESSE |
Grenzgänger kämpfen gegen Hürden
Schätzungen zufolge leben
42.000 Franzosen in der Ortenau / Ein in Kehl geplanter Verein will
sich für ihre Belange einsetzen
Von unserem Mitarbeiter
Christian Mörsch, KEHL
Das Leben als ist nicht immer leicht.
Wählen, einen Personalausweis beantragen, zum Arzt gehen - für
französische Staatsbürger, die in der Ortenau leben, sind damit
verschiedene Hürden verbunden. Da mit die verschwinden, will jetzt eine
Gruppe von Franzosen aus Kehl einen Verein gründen.
"Verein Staatsbürger/innen im Grenzgebiet" wird der Verein
laut Satzung heißen. Monique Schneider, die zukünftige Präsidentin,
hat sie gestern beim Amtsgericht und beim Finanzamt Kehl eingereicht. Wenn
die Ämter grünes Licht geben, soll im November die erste große Versammlung
stattfinden. Ziel des Vereins ist es den Grenzgängern zwischen Deutschland
und Frankreich das Leben zu erleichtern und ihre Integration zu fördern.
Dazu will der Verein laut Satzung darauf hinwirken, dass zwischen
Deutschland und Frankreich Unterschiede in Gesetzen und
Verwaltungsvorschriften abgebaut werden. Auch sollen die Probleme der
Grenzgänger zuerst einmal dokumentiert werden.
Und die seien vielfältig: So könnten Franzosen die in der
Ortenau leben und im Elsass arbeiten, im Ruhestand womöglich den Schutz
des französischen Sozialsystems verlieren. Sie könnten dann auch in
Frankreich nicht mehr zum Arzt gehen. Viele Unklarheiten gebe es zum
Beispiel auch bei Steuerfragen. Oftmals würde einfach der Zuständige für
ein Problem fehlen. "Wir fordern klare Antworten", sagt Schneider.
Seit das französische Konsulat in Freiburg geschlossen
wurde, müsse man zum Generalkonsulat nach Stuttgart fahren, um einen
Personalausweis zu beantragen. Auch die Wahl des französischen Präsidenten
könne man nur dort erledigen. "Viele von uns wählen nicht, weil es zu
kompliziert ist", sagt Schneider. Zudem sorgt sie sich, dass das das
Konsulat in Stuttgart wohl bald geschlossen werden könnte. "Dann müssten
wir nach München fahren", sagt Schneider.
Der Sprecher des Konsulats, Maurice Witz, überbringt eine
klare Botschaft vom Generalkonsul: "Das Konsulat wird nicht geschlossen."
Für die in Deutschland lebenden Franzosen biete man zudem einen
Bereitschaftsdienst: Einmal im Monat würden zwei Konsulatsbeamte im
Französischen Institut in Freiburg als Ansprechpartner zur Verfügung
stehen. Franzosen aus der Ortenau, die sich mit einem Anliegen an das
Konsulat wenden, würde man auf diese Möglichkeit hin weisen.
Mit den "lnfobest- Stellen" gibt es im
deutsch-französischen Grenzgebiet bereits Anlaufstellen für Grenzgänger.
Auch Unternehmen und Verbände sollen dort Rat zu grenzüberschreitenden
Fragen erhalten können. "Wir haben nicht so gute Erfahrungen mit Infobest
gemacht", sagt Schneider. Sicher könne man sich dort informieren. Ändern
würde die Infobest an der Lage der Grenzgänger nichts. Michael Janssen von
der Infobest-Stelle Kehl/Straßburg, will das nicht so stehen lassen. Wir
bemühen uns, auf eine politische Lösung der Probleme hinzuwirken." Nicht
zuletzt dafür habe man kürzlich ein neues Kompetenzzentrum eingerichtet.
Er begrüße jedoch neue Initiativen für Grenzgänger und sei
offen für mit den neuen Verein. Der ist seit einem Jahr von sechs auf nun
rund 35 Franzosen zwischen 25 und 65 Jahren gewachsen. Die meisten leben
in Kehl. Man sei aber auch offen für Deutsche die im Elsass leben, sagt
Schneider. Sie hätten oft ähnliche Probleme wie die Grenzgänger.
Auf absehbare Zeit dürfte der neue Verein keinen Mangel an
Mitgliedern haben: Immer mehr Elsässer ziehen in die Ortenau. Besonders
für Menschen aus Straßburg ist der Wohnungswechsel ins angrenzende Kehl
attraktiv: Die Miet- und Immobilienpreise sind dort wesentlich niedriger.
Die genaue Zahl der Franzosen in der Ortenau zu bestimmen ist schwer. Nach
Auskunft des Generalkonsulats in Stuttgart seien momentan 28000 Franzosen
registriert Weil das aber nicht gesetzlich vorgeschrieben ist, ist die
wirkliche Zahl deutlich größer. "Wir schätzen, dass 42000 Franzosen in der
Ortenau leben" sagt Witz.

©
Badische Zeitung: Aus der Ortenau,
9. September 2004 |