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Probleme der Grenzgänger im Blick

Verein »Staatsbürger im Grenzgebiet« hielt be seiner Hauptversammlung Rückschau aufs Jahr

Ein kleiner Verein versucht Schneisen in den Dschungel von deutschen, französischen und europäischen Gesetzen zu schlagen. Für »Staatsbürger/innen im Grenzgebiet« ist das wie das Bohren dicker Bretter.

Probleme der Grenzgänger im Blick, Kehler Zeitung, 12.05.06, Foto: Lutz SchneiderKehl (ls). Gut besucht war die Jahreshauptversammlung des Vereins Staatsbürger/innen im Grenzgebiet, die am Dienstag im Sitzungssaal des »Euro Instituts« stattfand. Dabei wurde über die Aktivitäten des vergangenen Jahres berichtet. Seit Oktober 2004 kümmert sich der Verein um Anliegen von Grenzgängern - oder Frontaliers wie es in Frankreich heißt. Um diesen und um den Begriff »Les Français à l'Etranger« ging es immer wieder.

Wenn man auch sagen kann, dass bei der Behandlung der Grenzgänger Hoffnung auf Besserung besteht, so kann man sicher sagen, dass der Verein mit dem Problem »Les Français à l'Etranger« mehr Arbeit bekommen wird, weil die Zahl der französischen Bürger in Kehl und Umgebung beständig zunimmt. Darauf deutete auch die Tatsache hin, dass einige Besucher bei der Versammlung anwesend waren, die bisher nicht Mitglieder sind.

Aus dem Bericht der Vorsitzenden Monique Schneider und ihren Mitarbeiterinnen wurde deutlich, dass drei Schwerpunkte die Arbeit des vergangenen Jahres bestimmt haben: Personenstandsurkunden und Ausübung des Wahlrechts, Gesundheit und Arbeitslosigkeit sowie Steuerrecht.

Im ersten Bereich hoffen die Mitglieder auf Lösungen, sie sind aber nach wie vor skeptisch. Eine gemeinsame Petition mit der Vereinigung der Franzosen im Ausland (»Les Français à l'Etranger«) wurde an die zuständigen Stellen gerichtet. Konkrete Ergebnisse liegen noch nicht vor.

»Keine gute Aussicht«

Wenn das Konsulat in Stuttgart tatsächlich ausgelöst werden sollte, müssten die in Kehl wohnenden französischen Mitbürger für die Ausstellung eines Personalausweises oder Reisepasses nach München fahren - keine sehr ermutigende Aussicht. Dass man sein Wahlrecht eines Tages auch über Internet ausüben könnte, er-scheint noch ein wenig Zukunftsmusik zu sein.

Der Bereich der Gesundheit nahm den breitesten Raum ein. Zwar existiert eine Vorlage der Europäischen Kommission aus dem Jahre 2004, wonach völlig unverständliche Regelungen abgeschafft werden sollen. Dazu gehört zum Beispiel auch, dass es nicht sein kann, dass man nicht mehr Mitglied einer Krankenkasse ist, wenn man pensioniert ist, obwohl man weiterhin Abgaben zahlt, nur weil man nicht in dem Land lebt, in dem man gearbeitet hat.

Das ist bei allen Personen der Fall, die ihr Leben lang in Frankreich gearbeitet haben, aber in Deutschland wohnten. Die Krankenkassenträger auf beiden Seiten verweisen darauf, dass die Vorlage der Europäischen Kommission noch von keinem der beteiligten Staaten ratifiziert worden ist. Solange das nicht der Fall ist, können immer nur Einzelentscheidungen getroffen werden.

»Wenig Begeisterung«

Mit wenig Begeisterung wurden die Bescheide der politischen Organisationen im »Eurodistrikt« (Gemeinden, Landratsämter und ähnliche) von den Besuchern der Versammlung aufgenommen, die keinen Handlungsbedarf sahen und auf Infobest und andere Verbraucherorganisationen als Ansprechpartner hinwiesen, wohl vergessend, dass diese Organisationen auf die Rechtslage hinweisen können, mehr aber nicht. Konkrete Hilfestellung im Einzelfall können beide Organisationen nicht geben.

Ist bereits der Bereich Gesundheit schwer zu verstehen, wird es beim Steuerrecht noch komplizierter. Bisherige Bemühungen einer Arbeitsgruppe haben kein Ergebnis gebracht. Die Arbeit soll nun forciert werden.

Der Gesamtvorstand wurde nach Abschluss der Berichte einstimmig verabschiedet. Die Neuwahlen werden im Oktober 2006 durchgeführt.

Interessierte Leser können sich im Internet unter www.frontaliers.net auf Deutsch und Französisch über den Verein informieren.  Foto: Lutz Schneider

© Kehler Zeitung, 12. Mai 2006


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