»Wir brauchen klare Gesetze«
Verein »Staatsbürger und Staatsbürgerinnen im
Grenzgebiet« sieht viel Arbeit vor sich
Noch immer gibt es zahlreiche Hürden,
die im grenzüberschreitenden Alltag übersprungen werden müssen. Das
beklagt der Verein »Staatsbürger und Staatsbürger im Grenzgebiet«.
VON OSKAR SALA
Kehl. Nirgends
mehr als in den Grenzgebieten benachbarter Staaten ist für jedermann die
Notwendigkeit erkennbar, behindernde nationalstaatliche Regelungen zu
verbessern.
Die Idee Europa bedeutet vor allem für die im
Grenzgebiet wohnenden Burger tägliche praktische Erfahrung - doch nicht
wenige müssen weiterhin unter der »bürokratischen Grenze« leiden.
Der Verein »Staatsbürger und
Staatsbürgerinnen im Grenzgebiet« besteht seit 2004 und hat sich zum Ziel
gesetzt, den Abbau von Hemmnissen und trennenden Faktoren im
Eurodistrikt-Gebiet voranzutreiben. »Seither haben wir uns entwickelt und
eine Reihe von Initiativen in vielen Bereichen unternommen«, sagte
Vereinsvorsitzende Monique Schneider bei der Mitgliederversammlung des
Vereins in den Räumen des Euroinstituts in Kehl. Die Aufgaben werden in
Zukunft nicht weniger werden, hieß es hier, da die Zahl der Neubürger aus
Frankreich auf deutscher Seite beständig zunimmt und damit neue
Herausforderungen auf den Verein zukommen. »Wir haben viel Arbeit
investiert, dennoch ist in vielen Bereichen weiterhin ein ständiges
Nachfragen und Nachbohren erforderlich«, so Schneider.
Problem Gesundheit
Besonders deutlich wird das Ganze etwa im
Bereich des Gesundheitswesens. Die Europäische Union garantiert hier zwar
den freien Zugang zu den jeweiligen Gesundheitswesen, unabhängig vom
Wohnort, aber »dies funktioniert leider nur in der Theorie, da viele
nationale Bestimmungen noch nicht angepasst sind«.
Die Europäische Kommission hat angedeutet,
dass einige Probleme zu Beginn des Jahres 2009 geregelt werden können
aufgrund einer Vorschrift, die vom Europäischen Parlament genehmigt wurde.
»Dies ist aber einfach zu lang bis dahin, wir wollen, dass die bestehenden
Hürden baldmöglichst abgebaut werden«, betonte die Vereinsvorsitzende. Ein
weiteres Problem stellen weiterhin die Formalitäten zur Erlangung von
Ausweisen und Reisepassen: In Kehl wohnhafte französische Staatsbürger
müssen hierzu nach wie vor eine lange Wegstrecke auf sich nehmen - früher
nach Stuttgart, jetzt bis nach München.
Kehls Oberbürgermeister Günther Petry habe
für dieses Problem unlängst Verständnis gezeigt und bemüht sich derzeit um
eine Milderung des Problems - denkbar wäre hier, dass auch in Kehl
Sprechtage des Konsulates eingerichtet werden. Bisher konnten diese in
großen Abstanden auch in Karlsruhe, Freiburg und Friedrichshafen
stattfinden.
Viel einfacher wäre es allerdings, nach
Meinung des Vereins, wenn sich die französischen Mitbürger im Ortenaukreis
die Möglichkeit hatten, alle diese Formalitäten bei der Préfecture in
Straßburg zu erledigen. Der Préfet des Bas-Rhin habe sich aber aus
unbekannten Gründen gegen eine solche Regelung ausgesprochen. Eine große
Erleichterung wäre es auch, wenn die französischen Bürger in der Ortenau
in Straßburg wählen konnten. Für die Präsidentschaftswahlen mussten die
meisten immerhin nach Freiburg fahren.
Einen breiten Raum in der Vereinsarbeit
nehmen schließlich unter anderem auch Fragen der Doppelbesteuerung, der
grenzüberschreitenden Stellenvermittlung und der Familienunterstützung von
Grenzgängern ein. Oft seien die entsprechender europäische Gesetze bereits
in Kraft, ist von dieser Seite zu erfahren, doch die Mühlen der Verwaltung
würden bekanntlich etwas langsamer mahlen.
40 Mitglieder
Deshalb fordert der Verein »Staatsbürger im
Grenzgebiet« eine klare und nachvollziehbare Gesetzgebung, die die
besondere Situation der im Grenzgebiet wohnhaften Staatsbürger
berücksichtigt. Darüber hinaus mochte sich der Verein mit seinen rund 40
Mitgliedern aber keineswegs als Konkurrenz, sondern als Ergänzung zu den
bestehenden offiziellen Euroinfo-Stellen verstanden wissen, wird
eindrücklich in der Mitgliederversammlung betont. ©
Kehler Zeitung,
16./17. Mai 2007 |