Gegen die Windmühlen der
Bürokratie
Verein der Staatsbürger im Grenzgebiet ist auf
einen langen Kampf im Eurodistrikt eingestellt
Immer mehr französische Staatsbürger ziehen auf
die deutsche Rheinseite. Dabei sind sie mit bürokratischen Hürden
konfrontiert. Um diese zu meistern, will der Verein »Staatsbürger/innen im
Grenzgebiet« (VSG) betroffene Franzosen unterstützen.
Freitagabend im Konferenzraum des Euro-Instituts in Kehl. Über 30 zumeist
französische Staatsbürger sind der Einladung des VSG gefolgt. Es sind
junge Mütter, Familienväter, Beamte und Rentner mit französischem Pass,
die vor kurzem oder bereits seit mehreren Jahren auf der deutschen
Rheinseite sesshaft wurden.
Einige arbeiten im Elsass, andere verdienen ihr Geld in der Ortenau. Sie
wohnen auf der deutschen Seite des Eurodistrikts, da dort die
Lebenshaltungskosten günstiger sind oder weil sie in Deutschland ihr
privates Glück gefunden haben. Doch dies bedeutet für diese Menschen, dass
trotz vereintem Europa, trotz Schengen und der Idee vom Eurodistrikt die
Grenze zwischen Frankreich und Deutschland in ihrem Alltag allgegenwärtig
ist.
»Wo beantrage ich meinen Personalausweis? Akzeptieren deutsche Ärzte und
Krankenhäuser meine französische Krankenversicherung? Kann ich mein Kind
in Straßburg einschulen? Wie werden meine Steuern abgerechnet?« Dies sind
Fragen, die Grenzgänger den ehrenamtlichen Experten des Vereins stellen.
Keine Konkurrenz
Einer der Experten ist Norbert Manns aus Kehl. Mit seiner französischen
Frau und weiteren Bekannten rief er den Verein vor fünf Jahren ins Leben.
»Wir sehen uns nicht als Konkurrenz zur deutsch-französischen
Verbraucherzentrale Infobest«, betont Manns. »Doch nach einem
Beratungsgespräch bei Infobest stehen die Betroffenen dann meistens ratlos
auf der Straße. Wir wollen diese Betroffenen begleiten, sie aus den
Schwierigkeiten des juristischen Niemandslandes herausbringen, die durch
die zwei unterschiedliche bürokratische Systeme entstehen«, so Manns.
»Wir suchen das Gespräch mit deutschen und französischen Politikern und
Kommunalbehörden, die für die unterschiedlichen Gesetze verantwortlich
sind.« Mit kleinen Erfolgen. So brauchen französische Staatsbürger im
Ortenaukreis ihren Personalausweis nicht mehr beim Konsulat in München
beantragen, sie können dies nun direkt bei der Stadtverwaltung in
Straßburg erledigen. »Unseren Verein wird es solange geben, bis alle
Hürden beider Systeme aus der Welt sind.«
Hoffnung auf die EU
Hoffnung setzt der Verein auf weitere Initiativen der EU, wie eine freie
europaweite Arztwahl oder die Einführung einer internationalen
Gesundheitskarte am Oberrhein. »Diese ehrenamtliche Vereinsarbeit ist für
uns viel Aufwand, wir kommen mit kleinen Schritten voran«, meint Manns.
Doch der Kehler und seine Vereinsfreunde sind durch kleine
Erfolgserlebnisse motiviert, immer wieder gegen deutsch-französische
Windmühlen der Bürokratie anzugehen. »Es lohnt sich doch«, ist Manns
überzeugt.
Die Vereinsmitglieder treffen sich jeden zweiten Dienstag im Monat zum
einem Stammtisch im Gasthaus Löwen in der Oberländerstraße in Kehl.
© Christian Schäfer
Kehler Zeitung, 24.03.09
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